Zum Inhalt springen
Alltag·mit Demenz

Wenn das Gespräch stockt

Sie stellen eine Frage. Es kommt nichts zurück. Sie fragen noch einmal, etwas lauter — und merken, dass es schlimmer wird. Dieser Moment hat einen Ausweg, und er ist einfacher, als die meisten denken.

Wenn eine Frage nicht ankommt, wiederholen Sie sie nicht. Sie machen sie leichter.

Die vier Stufen

Immer in dieser Reihenfolge, immer von oben nach unten. Jede Stufe verlangt weniger als die davor.

Stufe eins · die offene Frage Sie fragen, ohne etwas vorzugeben

„Was riecht man denn, wenn man in einen Kuhstall kommt?"

Keine Antwort? Dann warten Sie.

Fünf Sekunden.

Wirklich fünf. Zählen Sie mit — es ist länger, als man denkt.

Stufe zwei · die Auswahl Zwei Möglichkeiten, nicht mehr

„War das eher ein warmer Geruch oder ein strenger?"

Immer noch nichts? Eine Stufe tiefer.

Stufe drei · ja oder nein Nur noch nicken oder den Kopf schütteln

„Warm war es da drin, oder?"

Auch das nicht? Dann übernehmen Sie.

Stufe vier · Sie erzählen Die Frage wird zur Erinnerung

„Ich weiß noch, wie warm das im Stall immer war. Im Winter ist man da richtig gern reingegangen."

Stufe vier ist kein Scheitern. Zuhören ist eine Beteiligung. Ein Mensch, der Ihnen entspannt zuhört, während Sie von früher erzählen, hat einen guten Nachmittag gehabt — auch wenn er kein Wort gesagt hat.

Sie müssen die Leiter nicht jedes Mal von oben durchgehen. Wenn Sie den Tag schon einschätzen können, steigen Sie gleich bei Stufe drei oder vier ein.

Vermeiden Sie „warum" und „wieso". Diese Fragen verlangen eine Begründung, und Begründungen sind das Erste, was schwerfällt. Fragen Sie lieber „Wie war das?" statt „Warum war das so?".

Zehn Sätze, die fast immer helfen

Wenn Ihnen nichts einfällt, nehmen Sie einen davon. Sie stehen in keiner Rangfolge.

Warum offene Fragen trotzdem der richtige Anfang sind

Offene Fragen laden zum Erzählen ein, und man kann sie nicht falsch beantworten. Das ist ihr Wert. Ihr Haken ist, dass sie anspruchsvoll sind: Wer eine offene Frage beantworten will, muss selbst nach einer Antwort suchen. An manchen Tagen geht das, an anderen nicht.

Deshalb fängt man oben an und geht nach unten — nicht umgekehrt. Wer sofort mit Ja-Nein-Fragen beginnt, nimmt die guten Tage mit weg.

Ein Gegenstand hilft mehr als ein Thema

„Erzähl mal von früher" ist für viele Menschen mit Demenz zu weit. Ein Gegenstand ist enger und deshalb leichter: eine Milchkanne, ein Küchenherd, eine Gießkanne. Fragen Sie nicht nach dem Garten, fragen Sie nach den Möhren. Nicht nach der Kindheit, sondern nach dem Sonntagsbraten.

Aus demselben Grund hilft etwas zum Anfassen oder Riechen mehr als jedes Foto: eine Handvoll trockenes Laub, frische Petersilie zum Zerreiben, ein Stück Seife. Körperliche Erinnerungen halten sich oft länger als alles, was man erzählen kann.

Wenn Sie etwas in der Hand haben wollen

Aus derselben Arbeit sind fünf Bücher entstanden. Die Vier-Stufen-Technik von dieser Seite steht ausführlich in der Anleitung am Anfang jedes Bandes — Sie brauchen die Bücher dafür nicht.

Zum Ausmalen und Erzählen

Großformatige Motive mit dicken Linien, und zu jedem Motiv eine fertige Aktivierungsseite: drei Gesprächsanstöße, zwei Erinnerungsfragen, ein Sprichwort zum Ergänzen und ein Notizfeld.

Zum Vorlesen und Rätseln

Nicht jeder mag malen.

  • Geschichten von früher 52 Kurzgeschichten vom Landleben der fünfziger und sechziger Jahre — eine für jede Woche. Jede dauert vorgelesen etwa drei Minuten, und kein Absatz bricht über den Seitenwechsel. Bei Amazon ansehen · 11,90 €
  • Rätsel und Aktivierung bei Demenzin Prüfung 120 Aufgabenseiten im Großdruck: Buchstabengitter, Sprichwörter, Reime, Silben, Zahlenreihen — und Erzählseiten mit Platz für Notizen. Bei Amazon ansehen · 12,90 €

Alle Bände im Großdruck. Die Malbücher sind einseitig bedruckt — die Rückseite bleibt frei, damit nichts durchdrückt.

Wer das hier schreibt

Diese Seite wird von Kevin Jerzinowski aus Flensburg herausgegeben. Ich bin weder Arzt noch Pflegefachkraft — was hier steht, stammt aus der Arbeit an den Büchern und aus den Rückmeldungen von Menschen, die täglich mit Demenz zu tun haben. Wo ich mir nicht sicher bin, schreibe ich das dazu, statt es wegzulassen.

Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung, keine Therapie und keine Pflegeberatung. Sie beschreibt Erfahrungen aus der Beschäftigung mit Menschen mit Demenz und ist als Anregung für Angehörige und Betreuungskräfte gedacht. Bei medizinischen Fragen wenden Sie sich bitte an die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt; bei Fragen zur Pflege an einen Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe.