Wenn jemand nicht will
Er will sich nicht waschen. Sie sagt, Sie hätten ihr Geld genommen. Es wird laut, vielleicht wird eine Hand weggeschlagen. Und Sie stehen da und wissen nicht, ob Sie nachgeben oder durchziehen sollen — und ärgern sich hinterher über sich selbst.
Hinter fast jedem Nein steht eine Frage, die nicht mehr gestellt werden kann.
Was das Nein meistens meint
Ablehnung ist selten Sturheit. Sie ist fast immer eine Antwort auf etwas, das nicht mehr in Worte passt:
- „Mir tut etwas weh." Schmerz beim Aufstehen, beim Waschen, beim Anziehen. Wer ihn nicht benennen kann, wehrt die Bewegung ab.
- „Ich schäme mich." Sich vor der eigenen Tochter ausziehen — das war nie vorgesehen. Scham verschwindet mit der Demenz nicht, im Gegenteil.
- „Ich verstehe nicht, was jetzt passiert." Wer nicht weiß, warum jemand am Ärmel zieht, wehrt sich. Jeder würde das tun.
- „Ich habe keine Kontrolle mehr." Nein sagen ist manchmal die letzte Entscheidung, die noch jemandem gehört. Dann ist das Nein wichtiger als die Sache selbst.
- „Es ist zu viel." Zu laut, zu hell, zu schnell, zu viele Menschen. Ablehnung als Notbremse.
Die erste Frage ist immer eine medizinische. Wenn jemand plötzlich abwehrend wird, der es vorher nicht war, denken Sie zuerst an Schmerzen, Verstopfung, einen Harnwegsinfekt oder ein neues Medikament — nicht an einen „schlechten Tag". Bei alten Menschen zeigt sich ein Infekt oft nur als Verwirrtheit und Abwehr.
Im Moment selbst
Nähe wird in dem Moment als Bedrängnis erlebt. Ein Schritt zurück nimmt mehr Druck heraus als jeder Satz.
„Ist gut. Wir haben Zeit."
Wer lauter wird, macht lauter. Wer leiser wird, zieht mit.
„Das ist dir gerade zu viel, ne?"
In zwanzig Minuten ist die Situation vergessen — und dann geht es oft ohne jeden Widerstand.
Abbrechen ist kein Nachgeben. Es ist der Unterschied zwischen einer Aufgabe, die heute nicht geklappt hat, und einem Streit, an den sich beide noch morgen erinnern — der Mensch mit Demenz oft nicht an den Anlass, aber sehr wohl an das Gefühl.
Der häufigste Konflikt: Waschen
Fast alle Angehörigen kommen an diesen Punkt. Was dabei hilft:
- Warm machen. Bad vorheizen, Handtücher auf die Heizung. Kälte ist ein eigener Grund, nicht zu wollen.
- Nicht fragen, sondern anfangen. „Möchtest du duschen?" lädt zum Nein ein. „Ich hab dir das Handtuch warm gemacht" nicht.
- Stückweise. Nicht alles auf einmal ausziehen — ein Teil, waschen, wieder zudecken. Das Handtuch über der Schulter ist der halbe Erfolg.
- Die eigenen Hände einbeziehen. Wer den Waschlappen selbst hält, wehrt sich seltener.
- Die Tageszeit ändern. Wenn es abends nie klappt, versuchen Sie es morgens. Das ist oft die ganze Lösung.
- Nicht jeden Tag. Zweimal die Woche duschen und dazwischen waschen reicht gesundheitlich völlig aus.
„Du hast mein Geld genommen"
Bestehlungsvorwürfe treffen hart, gerade weil sie meistens die treffen, die am meisten tun. Sie entstehen aus einer nachvollziehbaren Logik: Etwas ist weg, ich habe es nicht verlegt — also hat es jemand genommen. Für diese Schlussfolgerung braucht es kein Misstrauen, nur ein Gedächtnis, das die Stelle nicht mehr hergibt.
- Nicht widerlegen. Beweise machen es schlimmer, weil sie den Verdacht ernst nehmen und gleichzeitig abstreiten.
- Mitsuchen. „Komm, wir gucken zusammen." Das dreht die Rolle vom Verdächtigen zum Verbündeten.
- Verstecke kennen lernen. Fast jeder hat zwei, drei feste. Wer sie kennt, findet schneller.
- Ein zweites Portemonnaie mit ein paar alten Scheinen und Münzen nimmt der Sache oft dauerhaft die Spitze.
- Nicht persönlich nehmen — leicht gesagt. Es hilft zu wissen: Der Vorwurf trifft die, die da sind. Er ist keine Bewertung Ihrer Arbeit.
Wann Sie Hilfe holen sollten
Es gibt Grenzen, an denen guter Umgang nicht mehr reicht. Holen Sie Unterstützung, wenn:
- jemand sich selbst oder andere ernsthaft gefährdet
- Abwehr und Aggression über Wochen zunehmen statt zu schwanken
- Sie selbst Angst haben — vor der Situation oder vor der eigenen Reaktion
- Sie merken, dass Sie am Ende sind. Das ist kein Versagen, das ist eine Information.
Erste Anlaufstellen: die Hausarztpraxis, ein Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe, das Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Angehörigengruppen helfen mehr, als man vorher glaubt — vor allem gegen das Gefühl, der Einzige zu sein, dem das passiert.
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Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung, keine Therapie und keine Pflegeberatung. Sie beschreibt Erfahrungen aus der Beschäftigung mit Menschen mit Demenz und ist als Anregung für Angehörige und Betreuungskräfte gedacht. Bei medizinischen Fragen wenden Sie sich bitte an die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt; bei Fragen zur Pflege an einen Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe.